„Wir brauchen eine flexible Bildungszeit“ – Bertelsmann Stiftung fordert Reform der Weiterbildung

Deutschland leidet unter Fachkräftemangel und hinkt bei der Fortbildung hinterher. Österreich könnte ein Vorbild für Qualifizierung sein, zeigt eine Studie.
Aktualisiert am 19.04.2022
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In Deutschland gibt es geringere Weiterbildungsquoten als in vielen anderen Ländern und einen sich dadurch verschärfenden Fachkräftemangel.

Berlin Um den zunehmenden Fachkräftemangel zu bekämpfen, müsse Deutschland sein System der Weiterbildung ausbauen – und sollte sich dabei an Ländern wie Österreich und Dänemark orientieren, fordert die Bertelsmann Stiftung.

So gibt es in Österreich schon seit den 1980er-Jahren eine Vollzeit-Bildungskarenz, die später um eine Weiterbildungsteilzeit ergänzt wurde – beides staatlich finanziert. Dänemark verfügt über ein landesweites modulares Weiterbildungssystem.

Die Schwächen des deutschen Systems seien laut der Bertelsmann-Studie eklatant: Es gibt zwar viele Weiterbildungsangebote, aber sie erreichen vor allem Jüngere, die schon gut qualifiziert sind. Staatlich finanziert werden Fortbildungen und Umschulungen vor allem für Arbeitslose oder solche Beschäftigten, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, etwa durch das relativ neue Qualifizierungschancengesetz.

Menschen mit Job, die ihre Qualifikation ausbauen wollen, hätten wenige Möglichkeiten und würden lediglich durch das Aufstiegs-Bafög gefördert. Das Ergebnis sind deutlich geringere Weiterbildungsquoten als in vielen anderen Ländern (siehe Grafik) und ein sich verschärfender Fachkräftemangel im internationalen Vergleich, warnen Experten seit Jahren.

Die Ampelregierung hat im Koalitionsvertrag Abhilfe versprochen, Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) will mit einem „Lebenschancen-Bafög“ und Bildungssparen den „Zugang zu Weiterbildung für jeden“ schaffen. Konkrete Pläne gibt es bisher noch nicht.

Das reiche nicht, mahnen die Bertelsmann-Experten wie Katharina Bilaine: „Weil Weiterbildung in der Mitte des Erwerbslebens oft an Zeitmangel scheitert, braucht Deutschland eine flexible Bildungszeit, entweder in Voll- oder in Teilzeit – und zwar für alle.“ Ein bedingter Rechtsanspruch, den Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen nicht ohne objektive Gründe ablehnen können, sollte helfen, das Instrument zu verankern.

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