Kein Geld, keine Zeit? Gründe, warum sich Beschäftigte nicht weiterbilden

Weiterbildungsmöglichkeiten für Beschäftigte gibt es in Deutschland viele. Doch sie zu nutzen, scheint nicht so einfach zu sein. Eine Umfrage des Job-Netzwerks Xing hat die Gründe dafür herausgefunden.
Aktualisiert am 11.10.2023
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Einen Schulabschluss nachholen, eine Zusatzausbildung oder einen Meisterkurs absolvieren, eine Sprache neu lernen oder einfach nur auffrischen - die Weiterbildungsmöglichkeiten für Beschäftigte in Deutschland sind vielfältig und zahlreich. Doch sie zu nutzen, scheint gar nicht so einfach zu sein. Woran das liegt, zeigt eine Studie des Job-Netzwerks Xing in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Marktforschungsinstituts Appinio.

Im Rahmen einer repräsentativen Online-Befragung hat Appinio im Februar insgesamt 1.000 Berufstätige in Voll- und Teilzeit, Umschüler, vorübergehend Arbeitslose und Arbeitssuchende im Alter von 18 bis 65 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland befragt. Die Ergebnisse wurden in der „Xing Learning & Skills Studie 2023" zusammengefasst und im Rahmen des internationalen Digital Learning Day im Februar vorgestellt.

Demnach möchte sich knapp die Hälfte der Deutschen (48 %) gerne mehr weiterbilden. Doch das Vorhaben scheitert an zwei Faktoren: 42 % der Befragten geben an, nicht genug finanzielle Mittel für Weiterbildung zu haben. Ein Drittel der Weiterbildungswilligen beklagt, dass ihnen die Zeit für mehr Weiterbildung fehlt. Bei den Männern überwiegt der Zeitmangel (38 %), bei den Frauen die finanzielle Situation (47 %).

Auch das Statische Bundesamt hat in einer Auswertung der Weiterbildungsquoten 2022 eine klare Tendenz zur beruflichen Weiterbildung (82,8 %) statt zur Fortbildung in der Freizeit sowie einen Unterschied bei Vollzeitbeschäftigten und Teilzeitbeschäftigten erkannt. Demnach war die Weiterbildungsquote bei Vollzeitbeschäftigten mit 4,4 % höher als die der Teilzeitbeschäftigten mit 4,1 %. 

Wünsche zur Weiterbildung gibt es genug

Fast alle Befragten (94 %) der Xing-Studie sind sich einig, dass sich Weiterbildung positiv auf die eigene persönliche Entwicklung auswirkt, z.B. durch das Erlernen neuer Fähigkeiten (53 %). Auch hier zeigt die Studie geschlechtsspezifische Unterschiede. Während für Frauen die persönliche Weiterentwicklung im Vordergrund steht (58 %), ist es für Männer die Aussicht auf ein höheres Gehalt (40 %).

Die beliebtesten Weiterbildungen sind Sprachen (39 %) sowie Führungs- und Managementfähigkeiten (35 %), wobei sich auch hier geschlechtsspezifische Präferenzen zeigen. Frauen möchten eher ihre Sprachkenntnisse (41 %) und ihre Soft Skills (35 %) verbessern, während Männer mehr Führungs- und Managementfähigkeiten (38 %) sowie technische Kenntnisse (44 %) erwerben möchten.

Allerdings ist die wöchentliche Bildungszeit der Deutschen derzeit noch gering. So gibt ein Viertel der Befragten an, sich überhaupt nicht weiterzubilden. Und trotz der Möglichkeit in vielen Bundesländern unbezahlten Bildungsurlaub von bis zu 10 Tagen in Anspruch zu nehmen, hat 3 Viertel davon noch nie Gebrauch gemacht. Bei den Berufseinsteigern sind es sogar 89 %.

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Weitere Gründe und Hindernisse

Über die Ergebnisse der Studie hinaus, kann es weitere Gründe geben, warum Beschäftigte nicht an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. Neben Zeit- und Geldmangel zählen dazu mangelndes Interesse oder fehlende Informationen. Einige Beschäftigte haben möglicherweise kein Interesse an beruflicher Weiterbildung oder sehen keinen Nutzen darin. Andere sind nicht ausreichend über Weiterbildungsmöglichkeiten informiert oder wissen nicht, wie sie diese nutzen können. Hier ist die Politik gefragt. Eine Lösung ist sicherlich die öffentliche Diskussion und Information über die verschiedenen Fördermöglichkeiten und den persönlichen Nutzen.

Aber auch mangelnde Unterstützung durch den Arbeitgeber kann ein Grund sein. Manche Arbeitgeber bieten keine Weiterbildungsmöglichkeiten an oder stellen keine Zeit oder finanzielle Mittel zur Verfügung, damit ihre Mitarbeiter sich weiterbilden können.

Vor allem die Unternehmen sind gefordert

Es ist wichtig zu beachten, dass die Gründe, warum sich Beschäftigte nicht weiterbilden, von Person zu Person unterschiedlich sein können. Arbeitgeber können jedoch dazu beitragen, indem sie Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten und ihre Mitarbeiter dazu ermutigen, sich weiterzubilden.

„Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit beim Thema Weiterbildung kann sich ein Land wie Deutschland in Zeiten fortschreitenden Fachkräftemangels nicht weiter leisten. Jetzt sind die Unternehmen gefordert, massiv in die Förderung ihrer Beschäftigten zu investieren, um im Kampf um Talente wettbewerbsfähig zu bleiben und Beschäftigte auch langfristig ans eigene Unternehmen zu binden“, resümiert Dr. Julian Stahl, Arbeitsmarktexperte bei Xing, die Ergebnisse der Studie.

Eine kontinuierliche Weiterbildung kann dazu beitragen, die Fähigkeiten und Kenntnisse der Mitarbeiter zu verbessern, was wiederum zu einer höheren Arbeitszufriedenheit, besseren Karriereaussichten und einer höheren Produktivität am Arbeitsplatz führen kann.

Das Qualifizierungchancengesetzt bietet Unternehmen die staatliche Förderung der Weiterbildung ihrer Beschäftigten.

Fazit

Es ist bedauerlich, dass viele Beschäftigte in Deutschland nicht genug Zeit oder Geld für Weiterbildung haben, obwohl sie sich danach sehnen. Weiterbildung ist ein wichtiger Faktor für die persönliche und berufliche Entwicklung eines Beschäftigten. Und es ist wichtig, dass Arbeitgeber und Regierungen Maßnahmen ergreifen, um den Zugang zur Weiterbildung zu erleichtern.

Arbeitgeber sollten in ihre Mitarbeiter investieren und ihnen finanzielle Unterstützung und flexible Arbeitszeiten anbieten, um es ihnen zu ermöglichen, Weiterbildungskurse zu besuchen. Darüber hinaus können Arbeitgeber auch Online-Kurse und E-Learning-Plattformen nutzen, um die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu fördern.

Die Regierung kann auch eine Rolle spielen, indem sie Programme und Initiativen zur Förderung der Weiterbildung unterstützt und finanziert, insbesondere für Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen oder in Bereichen, in denen ein Fachkräftemangel herrscht.

Es ist wichtig, dass Arbeitgeber und Regierungen sich bewusst machen, dass die Förderung von Weiterbildung nicht nur den Beschäftigten zugutekommt, sondern auch der Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt, indem sie die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität steigert und gleichzeitig die Beschäftigungschancen verbessert.

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