Zahl der Bürgergeld-Empfangenden in Weiterbildungen stagniert

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setzt die Bundesregierung auch auf die Weiterbildung für Bezieher:innen von Bürgergeld, dem früheren Arbeitslosengeld II. Allerdings hat sich hier in den letzten Jahren wenig getan, wie eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag ergab. Wird hier ein großes Potenzial übersehen?
Aktualisiert am 15.05.2023
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Die Zahl von Bürgergeld­-Empfangenden, früher Hartz IV, in geförderten beruflichen Weiterbildungen ist im ersten Corona-Jahr 2019 gesunken und stagniert seither. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, wie das Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) berichtet.

So sind im Jahr 2019 insgesamt 135.279 Menschen in die Weiterbildung eingetreten. Die Zahl sank im ersten Corona-Jahr 2020 auf 98.802 und im zweiten Corona-Jahr auf 100.123 Personen. Dieser Trend setzte sich auch im Jahr 2022 fort, wo im Zeitraum vom Januar bis Oktober nur 80.334 erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit einer Weiterbildung begonnen haben. Ein ähnliches Bild zeichnete sich auch bei den Beziehenden von Arbeitslosengeld I ab, wie auch bei Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbild, die mit der Unterstützung von Sozialleistungen leben.

Warum in der Ferne schweifen, wenn die Lösung liegt so nah?

Das Bundesarbeitsministerium führt den Rückgang auf die Corona-Pandemie zurück. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Jessica Tatti, kritisiert die Entwicklung und sieht die Schuld beim Bundesarbeitsministerium. Sie bemängelt, dass ohnehin benachteiligte Gruppen in den letzten Jahren noch weiter abgehängt worden seien und damit ein großes Potenzial gegen den Fachkräftemangel verloren gehe. Dies erkenne weder die Politik noch Arbeitgeber. Sie fordert den Arbeitsminister auf, sich auf eine bessere Finanzierung der Weiterbildung zu konzentrieren, anstatt mit Kampagnen im Ausland nach Fachkräften zu suchen.

Hierzu antwortet das Bundesarbeitsministerium mit dem Hinweis auf bereits beschlossene neue Maßnahmen. So würden Geringqualifizierte mit „Zukunftsstarter“, einer Initiative zum Nachholen eines Berufsabschlusses, bis Ende 2025 gefördert. Außerdem seien mit der Reform des Bürgergeldgesetzes das neue Weiterbildungsgeld und der Bürgergeldbonus eingeführt worden, die Anreize zur Weiterbildung für Langzeitarbeitslose schaffen sollen. Für Jessica Tatti reicht das alles nicht aus, um das Arbeitskräftepotenzial im Land zu heben und fordert Nachbesserungen bei vielen Gesetzen, insbesondere wenn es um die Förderung von Arbeitslosen geht..

Inwieweit die Kritik der Linken-Fraktion überflüssig ist und die aktuellen Reformen und Initiativen ausreichen, um Arbeitslose in Arbeit zu bringen, wird sich zeigen. Ziel der Bundesregierung sollte es sein, alle Möglichkeiten zur Bekämpfung des Fachkräftemangels zu prüfen und mit ausreichenden finanziellen Mitteln zu unterstützen.

Quelle

RedaktionsNetzwerk Deutschland

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